Die Gangarten unserer Hunde – natürliches Bewegungsbild, Reha, Bewegungsschulung und Besonderheiten

Ein neuer Blogartikel für Euch – diesmal mit einem Thema was so selbstverständlich ist, dass es vielleicht doch mal Sinn macht darüber zu reden. Wer wie ich zwischen Vierbeinern, in meinem Fall vor allem zwischen Pferden, groß geworden ist und schon als 4 Jährige den Unterschied zwischen einem guten und einem nicht takreinen Schritt erklärt bekommen hat, wächst sozusagen in die Bewegungswahrnehmung hinein.

Zu Beginn lag mein Schwerpunkt bei den Pferden – erst vor ca. 20 Jahren kamen die Hunde dazu und mittlerweile sind diese, was die Gangbildschulung und Verbesserung betrifft insbesondere durch die Sporthunde in den Vordergrund gerückt.

Die Bewegungen von Pferd und Hund werden sehr gerne verglichen und was die einfachen Grundgangarten betrifft, sind wir tatsächlich auch in einem vergleichbaren Bereich.

Genau wie das Pferd hat auch der Hund im Galopp Phasen, in denen nur ein Bein belastet wird…

Welche Gangarten gibt es beim Hund?

Genau wie beim Pferd bietet der Hund von Natur aus die oben genannten Grundgangarten an: Schritt, Trab und Galopp und er ist natürlich auch in der Lage diese Gangarten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu zeigen.

Dadurch ergeben sich den noch weitere Unterschiede, die ich bei der Beschreibung der einzelnen Gangarten mit berücksichtigen werden.

Neben diesen einfachen Grundgangarten kann uns der Hund noch eine vierte Gangart zeigen die leider nicht sehr beliebt ist: der sogenannte Passgang. Immer wieder, wird diese Gangart als Problem in den Vordergrund gerückt, aber bei den Hunden die mir als Passgänger vorgestellt werden, muss ich ganz oft feststellen, dass es sich lediglich um passähnliche Verschiebungen handelt, aber nicht um einen eindeutigen Pass. Aus diesem Grund bekommt auch diese Gangart ein eigenes Kapitel 😉.

Schritt

Beginnen wir mit dem Schritt des Hundes. Hier sollte der Hund einen klar erkennbaren Viertakt zeigen, das bedeutet, der Hund setzt alle vier Pfoten einzeln auf und es gibt kein gleichzeitiges Auffussen von zwei oder mehr Pfoten. Wenn wir einen Hund in einem langsamen Schritt beobachten können wir jede Pfote, die aufsetzt, einzeln mitzählen ( 1-2-3-4 – daher der Viertakt). Im Schritt hat der Hund immer mindestens 2, maximal 3 Beine auf dem Boden. Abfussen aud Aufsetzen der einzelnen Beine sind oft sehr nah aneinander und so mit kann es sein, dass wir mit bloßem Auge, das Gefühl haben, dass zwei Beine sich gleichzeitig vom Boden weg bewegen.  

Eine solche gleichZEITIGE Bewegung ist im Schritt aber nicht vorgesehen…

Im Schritt werden alle vier Pfoten einzeln angehoben und abgesetzt – dabei können zwei oder drei Beine den Boden berühren

Wir unterscheiden beim Hund den verkürzten, den normalen und den übereilten Schritt. Für die Unterscheidung ist sowohl die Geschwindigkeit innerhalb der Gangart, als auch die jeweilige Trittlänge wichtig. Was die Geschwindigkeit betrifft, ist die Wahrnehmung von langsam bis schnell gemeint. Mit der Trittlänge wird die Weite bezeichnet, die der Hund mit einer Pfote zwischen dem Ort, wo er diese anhebt, bis zu der Stelle wo er diese absetzt bezeichnet überwindet. Hier achte ich besonders auf die Bewegungen der Hinterbeine:

Bei einem verkürzten Schritt haben wir den Eindruck, dass die Hinterbeine nur wenig Strecke in der Luft zurücklegen und nicht wirklich an den Pfotenabdruck des gerade abfußenden Vorderbeins heranreichen.

Bitte schaut euch einmal dieses Video innerhalb der Cavallettistangen an und achtet auf ein Vorderbein des Hundes – merkt euch die Stelle, wo die Pfote abfusst, also angehoben wird und wartet, bis dass gleichseitige Hinterbein aufgesetzt wird. Geht es vor dem gemerkten Pfotenabdruck des Hundes auf den Boden? Oder darauf oder sogar darüberhinaus? Das ist das was ich mit Trittlänge meine…

Schrittweite – wie weit Tritt das gleichseitige Hinterbein über den Pfotenabdruck des Vorderbeins hinaus – rot Hinterbein – grün Vorderbein

Ein guter Schritt, indem der Hund seinen Körper gleichmäßig und gesund durchbewegt ist in der Regel ein schwungvoll wirkender, aber nicht übereilter (gehetzter) Schritt, bei dem der Hund mit seinen Hinterbeinen über die Pfotenabdrücke der Vorderbeine hinaustritt.

Hier einmal durch die Cavallettistangen provoziert unterschiedliche Schrittweiten

Bei einem verkürzten Schritt haben wir das Gefühl, dass der Hund eher steifer geht, die Hinterbeine nicht richtig vorsetzt und der Rücken sich weniger bewegt. Bei einem übereilten Schritt wirkt der Hund tatsächlich gehetzt und das Auf und Absetzen der Pfoten ist sehr schnell nacheinander.

Auch hier gibt es natürlich wieder Mischformen und verkürzt und übereilt sind sehr nah aneinander:

Hier sind die Cavalletti zu eng für diesen Hund – die Schrittweite ist verkürzt

Trab

Im Trab bewegt sich der Hund im Zweitakt – es werden immer zwei Beine gleichZEITIG angehoben und abgesetzt. Wichtig: Im Trab ist es jeweils das diagonale Vorder – und Hinterbein.

Im Trab bilden das gleichseitige Vorder und Hinterbein ein „V“ in der Bewegung
Die jeweils diagonalen Beinpaare sind im Trab parallel zueinander – grün vorne rechts und hinten links – blau vorne links und hinten rechts

Im Trab unterscheiden wir den normalen Trab und den geschwungenen Trab – letzterer hat tatsächlich eine echte Schwebephase, in der der Hund kein Bein auf dem Boden hat. Für eine gesunde Bewegung reicht es, wenn der Hund einen sauberen normalen Trab zeigen kann, bei dem immer zwei Beine diagonal auf dem Boden sind und die anderen Beiden in der Luft.

Hier wird der Rücken durch die paarige Bewegung über die diagonale anders bewegt, als im Schritt. Achtet einmal auf den Rücken eures Hundes , wenn er sich im Schritt oder Trab bewegt.

Galopp

Der Galopp ist in der Regel ein Dreitakt ( wir zählen 1-2-3 😉 ) – hier hat der Hund ein Bein, zwei Beine, drei Bein oder gar kein Bein auf dem Boden, wobei sich die Fussfolge verschieben kann, weil es verschiedene Galoppversionen gibt.

Der Kanter, oder auch langsame Galopp, ist anders als der normale oder auch zyklische Galopp und im Renngalopp hat der Hund sogar zwei Schwebephasen, einmal wenn alle Beine unter dem Bauch zusammen sind und einmal , wenn der Hund ganz gestreckt in der Luft ist.

Im normalen Galopp setzt der Hund z.B. nach der Schwebephase in der Luft hinten links auf, dann folgt hinten rechts, unmittelbar gefolgt von vorne links, wobei hier dann hinten links wieder angehoben wird und dann folgt vorne rechts, wobei hinten rechts und dann auch vorne links wieder angehoben wird. So ist also vor der nächsten Schwebephase in diesem Beispiel nur noch vorne rechts auf dem Boden, was dann auch noch angehoben wird, um alle vier Beine im Galoppsprung in der Luft zu haben.

So geschrieben ist die Beschreibung sicherlich kompliziert zu lesen, in diesem Video sieht man in der Wendung ganz gut die Fussfolge des normalen Galopps.

Hier im Video einmal die drei Gangarten im Vergleich in der Wendung…

Der Vollständigkeithalber sei erwähnt dass wir noch in einen sogenannetn rechts oder links Galopp unterscheiden können, je nachdem welche Seite zuerst auffusst bzw. vorne die Bewegung anführt.

Pass

Kommen wir zu der umstrittenen immer wieder problembehafteten Gangart des Passes. Im Passgang hebt der Hund wie im Trab zwei Beine gleichzeitig, aber auch gleichSEITIG. Das bedeutet, dass wir auch einen Zweitakt haben, dieser aber nicht diagonal entsteht, sondern rechts und links.

Beobachtet man hier den Rücken des Hundes nimmt man ein sogenanntes Schaukeln, von rechts nach links war.

Immer wieder wird dem Pass nachgesagt, er sei eine Anzeigegangart für Probleme im Rücken oder komme in der Fussarbeit automatisch vor. Beides zwei Aussagen, die so nicht stehengelassen werden sollten:

Ja, der Pass kann gezeigt werden, wenn der Hund Rückenschmerzen hat, aber der Hund kann auch von Natur aus auf diese Gangart zurückgreifen, ohne dass er Rückenschmerzen oder schwerwiegende Probleme hat.

Und nein, der Pass gehört nicht automatisch in die Fussarbeit, ganz im Gegenteil, wir möchten ihn dort nicht sehen, weil sich diese Bewegung in Kombination mit den anderen Anforderungen des Hundes in der Fussarbeit negativ auf die Gesunderhaltung des Hundes auswirkt.

Warum gibt es Gangbilder, die keiner Gangart zuzuordnen sind?

Wir haben immer wieder Gangarten, die keinem klaren Gangartbild oder Takt zuordbar sind und auch dafür gibt es tatsächlich eine ganz einfache Erklärung. Wenn der Hund in seinen freien Bewegungen gestört ist, kann es zu sogenannten Taktverschiebungen kommen.

So sehen wir dann in der Fussarbeit z.B. Hunde, die auf den ersten Blick im Pass gehen, aber bei genauem Hinsehen, kein gleichseitiges und gleichzeitiges Auffussen zeigen, sondern sehr sehr nah aneinander beide rechten und linken Beine aufsetzen. Oder wir bremsen unsere Hunde an der Leine aus und sie sind vorne noch im Trab und wechseln hinten schon in den Schritt.

Solche Taktverschiebungen sind nicht erwünscht und oft mit Verspannungen und Stress verbunden, so dass wir sowohl im Alltag, als auch im Sport ein korrektes Gangbild sehen sollten.

Hier sehen wir ein nicht klares Gangbild – die diagonalen Beinpaare sind nicht parallel zueinander , in rot eingezeichnet wäre in etwa die passende Linie – dann würde man das „v“ sehen, was hier in grün dargestellt ist.

Warum ist ein korrektes Gangartbild so wichtig?

In den Gangarten des Hundes wird der Körper des Hundes automatisch auf unterschiedliche Art und Weise durchbewegt und gefordert. Die Beine werden nicht immer gleich gebeugt und gestreckt und auch die Bewegungen durch den Rücken sind in jeder Gangart anders. Im Galopp z.B. können wir ein deutliches Aufwölben des Rückens wahrnehmen. Ein gesunder Hund braucht diese Vielseitigkeit in der Bewegung, um seinen Körper umfassend für einen guten Muskelzustand zu fordern.

Hier im Galopp ist der Rücken deutlich aufgewölbt und man sieht, dass diesem Hund Muskulatur fehlt – gerade im Galopp sollten die Kruppe, die Oberschenkel und die Schultern sichtbare Muskelpakete in Aktion zeigen . Hier sieht man viel zu viele knöcherne Strukturen. Das Bild habe ich ausgewählt, weil man dadurch aber deutlich sieht, dass die Strukturen in den einzelnen Gangarten unterschiedlich genutzt werden.

Immer dann wenn der Hund Taktunreinheiten zeigt oder in solche gedrängt wird, kann er sich nicht frei durchbewegen. Das führt zu Verspannungen, in der Folge zu Blockaden und schlimmstenfalls zu dauerhaften Gangbildveränderungen, die dann auch zu Folgegeschäden an den Gelenken führen können.

Der Pass, bei einem gesunden Hund und in freier Bewegung gezeigt, stellt erstmal kein Problem dar, wird der Hund aber durch gesundheitliche Probleme oder durch den Menschen in den Passgang gedrängt verursacht er dieselben Schwierigkeiten, wie bei den Taktverschiebungen.

Zur Gesunderhaltung des Hundes gehören korrekte und saubere, und tatsächlich auch möglichst schwungvolle Gangarten.

Bewegungsschulung in der Reha

In der Reha ist es selbstverständlich, dass wir eine durch eine Verletzung oder Erkrankung entstandene Gangbildstörung wieder korrigieren möchten. Dies gelingt nicht immer, aber es sollte zumindest versucht werden, den Hund soweit zu unterstützen, dass er sich wieder korrekt bewegen kann.

In unserem Beruf der Physiotherapie glauben wir also fest daran, dass wir Gangbilder wieder verändern können, wir wissen aber auch, dass wir innerhalb der Umstellungsarbeit darauf achten müssen, dass andere Strukturen durch die ungewohnten Bewegungen nicht unnötig belastet werden.

Bewegungsschulung in der Reha ist immer ein Prozess, der gut begleitet werden muss und leider kommen wir hier auch in Bereiche, wo es für den Hund unangenehm oder sogar schmerzhaft sein kann. Hier muss immer auf das richtige Maß und die realistischen Möglichkeiten geachtet werden.

Bewegungsschulung zur Gesunderhaltung

Haben wir es mit einem gesunden Hund zu tun, besteht natürlich ganz genauso die Möglichkeit seine Bewegungen zu verändern. Dies ist immer dann notwendig, wenn der Hund ein nicht mehr gesundes Bewegungsmuster zeigt. Auch in diesem Fall ist es möglich, dass wir den Komfortbereich des Hundes verlassen müssen und auch hier wird der gesamte Körper in der Umstellungszeit reagieren. Schmerzhaft sollte es für den Hund aber nicht werden. Wenn wir z.B. einem Hund wieder einen gesunden Schritt beibringen möchten, so dass er keine passähnlichen Verschiebungen mehr zeigt, geschieht das in sehr kleinen Schritten und so behutsam, dass der Hund idealerweise das Gefühl bekommt, dass ihm der Schritt angenehmer wird, als die Taktunreinheiten.

Da wir dann aber auch körperliche Strukturen nutzen, die in dem ungesunden Gangbild nicht oder anders genutzt wurden, ist natürlich mit Ermüdung der Muskulatur zu rechnen und somit besteht auch immer die Gefahr von Muskelkater.

Fazit

Ihr solltet die normalen Gangarten des Hundes kennen und unterscheiden können, so dass ihr dann auch in der Lage seid, ungesunde Taktverschiebungen zu erkennen.

Jede Gangart ist wichtig für den Hund, und der Hund sollte bei guter Ausbildung auch in der Lage sein, sich INNERHALB der Gangarten in einem sauberen Takt langsamer oder schneller zu bewegen. Dabei sollten die Gangarten weder gehetzt, noch schwunglos wirken.

Hier im Vergleich Trab und Schritt – die Stangenabstände werden nicht angepasst, der Trab ist nicht raumgreifend, sondern orientiert sich in der Länge der Schritte an den Stangen der Cavalletti – dafür sehen wir mehr Schwung nach oben

In einem guten langsamen Trab hat der Hund genauso viel Bewegung in seinen Beinen, wie im normalen Trab, die Bewegung geht nur mehr nach oben, als nach vorne, in einem schnelleren Trab verändern sich die Schritte genau andersherum.

Vor einiger Zeit ist bereits ein Blogartikel nur zum Schritt von mir erschienen, wer mag, kann sich mit der für mich sogar am wichtigsten Gangart da nochmal gesondert auseinandersetzen. Und auch das Rückwärtsgehen des Hundes steht im direkten Zusammenhang mit dem korrekten und gesunden Vorwärtsgehen des Hundes.

Hier der Link zum Blogartikel über den Schritt:

https://hundesportundgesundheit.wordpress.com/2019/07/22/sporthunde-in-bewegung-was-fehlt-ist-oft-der-schritt/

Und hier der Link zum Blogartikel über das Rückwärtsgehen:

https://hundesportundgesundheit.wordpress.com/2019/11/28/der-rueckwaertsgang-des-hundes-denkt-doch-mal-ueber-gesuendere-alternativen-nach/

Ein Kommentar zu „Die Gangarten unserer Hunde – natürliches Bewegungsbild, Reha, Bewegungsschulung und Besonderheiten

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  1. Ehrlich gesagt habe ich mir bis jetzt noch keine großen Gedanken über die Gangart unseres Hundes gemacht. Seid ich diesen Text gelesen habe denke ich ein wenig anders darüber. In den nächsten Wochen werde ich mal schauen wie unser Hund sich bewegt.

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